Malerei

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Über Malerei reden, das hat keinen Sinn. Indem man mit der Sprache etwas vermittelt, verändert man es. Man konstruiert solche Eigenschaften, die gesprochen werden können, und unterschlägt die, die nicht ausgesprochen werden können, die aber immer die wichtigsten sind.

Notizen 1964–1965 QUELLE
Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, S. 35

Wie kamen Sie zur gegenständlichen Malweise?
Ich glaube, jeder fängt so an, sieht irgendwann Kunstwerke und möchte ähnliches machen. Man möchte das, was man sieht, was überhaupt da ist, begreifen und versucht, es abzubilden. Später merkt man dann, dass man die Wirklichkeit gar nicht darstellen kann, dass das was man macht, immer nur sich selbst darstellt, also selbst Wirklichkeit ist.

Interview mit Rolf Schön 1972 QUELLE

Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, S. 59


Man muss daran glauben, was man macht, man muss sich innerlich engagieren, um Malerei zu machen. Einmal davon besessen, treibt man es schließlich so weit, zu glauben, dass man die Menschheit durch die Malerei verändern könnte. Wenn man aber von dieser Leidenschaft frei ist, so gibt es nichts mehr zu tun. Dann ist es empfehlenswert, die Finger davon zu lassen. Denn im Grunde genommen ist das Malen eine komplette Idiotie.

Notizen 1973 QUELLE
Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, S. 70

Halten Sie es für überflüssig, sich über die Beziehung der Malerei zur Realität zu unterhalten?
Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es keinerlei Unterschied zwischen einem sogenannten realistischen Bild, wie einer Landschaft, und einem abstrakten Gemälde gibt: beide üben eine ähnliche Wirkung auf den Betrachter aus.

Interview mit Irmeline Lebeer 1973 QUELLE

Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, S. 83


Ich glaube nicht an die Realität der Malerei, deshalb nehme ich Stile wie Kleider – ich verkleide mich damit.

Interview mit Bruce Ferguson und Jeffrey Spalding 1978 QUELLE

Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, S. 107


Malerei ist die Schaffung einer Analogie zum Unanschaulichen und Unverständlichen, das auf diese Weise Gestalt annehmen und verfügbar werden soll. Deshalb sind gute Bilder auch unverständlich. Unverständlichkeit zu schaffen schließt gänzlich aus, irgendeinen Quatsch zu machen, denn irgendein Quatsch ist immer verständlich.

Notizen 1981 QUELLE

Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, S. 120


Die Malerei beschäftigt sich wie keine andere Kunstart ausschließlich mit dem Schein (die Fotografie rechne ich selbstverständlich dazu).
Der Maler sieht den Schein der Dinge und wiederholt ihn, das heißt, ohne die Dinge selbst herzustellen, stellt er nur ihren Schein her, und wenn das an keinen Gegenstand mehr erinnert, funktioniert dieser künstlich hergestellte Schein nur, weil er nach Ähnlichkeiten mit einem vertrauten, das heißt gegenstandsbezogenen Schein abgesucht wird.

Notizen 1989 QUELLE

Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, S. 223/224


Die Malerei ist für mich Tradition, aber sie war für mich keine Akademie. Ich spürte das Bedürfnis zu malen, das Malen gefiel mir ungeheuerlich. Es war für mich etwas ganz Gewöhnliches, wie es für einige Leute normal ist, ein Instrument zu spielen oder Musik zu hören. Deswegen suchte ich nach einem modernen Sujet, aus meiner Epoche und aus meiner Generation. Das war eben die Fotografie, deswegen habe ich sie als Medium für die Malerei gewählt.

Gespräch mit Paolo Vagheggi 1999 QUELLE

Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, S. 355


Das Problem ist, mit dem Begriff „Licht‟ habe ich noch nie etwas anfangen können. Ich weiß, dass manchmal erwähnt wurde – „der Richter hat es mit Licht‟ und „die Bilder haben ein spezielles Licht‟ –, und ich wusste nicht, wovon die Rede ist. Licht hat mich noch nie interessiert. Es ist da, und man schaltet es ein oder aus, je nachdem ob die Sonne scheint oder nicht. Mehr fällt mir dazu nicht ein.

MoMA-Interview mit Robert Storr 2002 QUELLE

Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, S. 418


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